AHB Tag 3

Es geht los mit den Anwendungen

7:30 Frühstück ich hab mich in den Budwigquark verliebt. Bei Gelegenheit muss ich mir mal das Rezept dazu raus suchen.
Heute sollte es denn los gehen mit meinen sogenannten Anwendungen. Andere Patienten hatten es da schon durchaus stressiger. Meine Anwendungen beliefen sich gerade mal auf zwei Stück. Ja genau zwei! *augenroll * An Überforderung leide ich hier nicht. :)

Anderen eine Freude machen


Mich berühren die Krebserkrankungen anderer mehr als meine eigene, warum das so ist kann ich euch nicht sagen.
Aber was hilft besser gegen trübe Tage als ein paar farbige Socken.
Ein lächeln denen ins Gesicht zaubern, denen es gerade nicht so gut geht oder als Erinnerung an eine schöne zeit.

Das mein erstes paar GuteLauneGlücksSocken ihre Besitzerin nicht rechtzeitig erreicht haben, da sie an dem morgen als ich sie fertig gestrickt hatte verstorben ist, habe ich eigentlich immer noch nicht ganz verarbeitet.

Als ich in Bad Sooden/Allendorf war, dort den Wollladen aufgesucht habe und mit drei neuen Knäulen (war
ja nicht so das ich schon genug Wolle von daheim mitgenommen habe) das Geschäft verlassen habe, war mir sofort klar das erste paar Socken was ich aus einem dieser drei Knäuel stricke ist für eine liebe Freundin, die ein paar Wochen vor mir von ihrer AHB kam und mit der erneuten Diagnose Krebs umgehen musste/muss.

Und während ich eben ihr paar strickte, sagte schon manch eine „oh das ist aber schöne Wolle.“ wie es dort so ist, Verbindungen entstehen, Freundschaften werden geboren, Geschichten werden ausgetauscht.


Das nächste paar Socken wurde beendet, dieses mal für eine liebe Mitpatientin.
Montags habe ich sie weggeschickt und Dienstags waren sie schon bei ihr.

Und mein Mönchen hat ihre heute bekommen, ich kann zwar ihre dunklen Wolken nicht weg pusten aber ich habe doch etwas Sonnenschein bei ihr gelassen.

Nur leider stricke ich zu langsam, denn ich habe noch ein paar Menschen die ich mit meinen GuteLauneGlücksSocken beglücken möchte.
Eigentlich wollte ich mit meinen selbst gestrickten Socken im nächsten Jahr auf einen Koffermarkt aber ganz ehrlich. Mir ist das lächeln von Freunden viel wichtiger geworden.
Nun brauche ich nur noch etliche Knäuel Farbenfrohe Wolle.

Ich hab viel vor :) Vorausgesetzt mein Händchen spielt mit, denn in den letzten beiden Tagen schmerzt mir das Handgelenk schon arg. Aber ich glaube das kommt vom vielen Schreiben, denn viele Teile dieses Blogs schreibe ich mit der Hand vor und ein paar liebe Zeilen von mir bei meinen Freunden gehören einfach dazu (tippen und Ausdrucken kann ja jeder, außerdem ist es unpersönlich) und nu ist mein Händchen einfach überarbeitet.


Fernsehprogramm Ade

Man kann darauf verzichten


Drei Wochen Anschlussheilbehandlung haben doch verändert.
Seit dem 04.11. wieder im Lande und nur ein paar mal den Fernseher angehabt und das auch immer nur für ein paar Minuten um dann wieder genervt festzustellen, das diese von den Sendern gewollte Volksverdummung mir ganz schön auf den Sack geht.

In der AHB dachte ich noch 'oh Gott nur 13 (wobei das 13. der Hauseigene entspannungskanal war) Programme und die die mir am liebsten sind, sind nicht dabei.'
Man konnte mich als Serienjunkie betiteln.
Wenn ich dann abends auf dem Zimmer war lief lustigerweise meist NDR und wenn ich mein Strickzeug beiseite und mich ins Bett gelegt habe bin ich auch sofort eingeschlafen und morgens um 5 mit Tv wieder aufgewacht, hier zu Hause ging mein Fernseher nach drei Stunden Automatisch aus. Schon ne tolle Sache diese Abschaltautomatik.

Aber einfach Abschalten ist noch besser. Was macht man so den Rest vom Tag ohne Dauerberieselung?
Eigentlich einfach. Für mich zumindest, jetzt. Sich mal mit sich selbst auseinandersetzen, stricken und lesen, Bilder bearbeiten, Musik hören und wenn noch ein neues Hobby bei rum kommt, noch besser. Noch besser raus vor die Tür gehen (auch wenn ich es hier immer noch schrecklich finde) sich zum Beispiel irgendwo hinsetzen und Menschen beobachten.

Bis vor ein paar Jahren habe ich ein paar Freunde ungläubig belächelt die schon lange auf das Fernsehen verzichten.
Schaut man Nachrichten dreht sich fast alles nur um Krieg, wer mit wem. Schauste Serien, guckt man sich oftmals sogar die Wiederholung von der Wiederholung an, weil, ja weil nichts gescheites kommt. Wie Sinnfrei *augenroll *

Da ich schon immer gerne gelesen habe, lese ich jetzt halt viel mehr aber immer noch gerne, schließlich möchte ich irgendwann eine volle Bücherwand haben und da bin ich wie ihr seht noch weit von entfernt. :)

Vielleicht ist es auch nur eine Tv abstinente Phase aber solange werde ich sie geniessen. :)

Blutabnahme und wiegen Teil2

ok also wiegen und Blutabnehmen hatte ich erfolgreich am morgen hinter mich gebracht.

Die Untersuchung

Der Arzt Dr. P.
Hm.. den fand ich irgendwie Merkwürdig. Er war nett ja aber da hörte es auch schon auf. Vielleicht lag es nur daran das ich seinen Humor nicht verstand.
*Ich olle Spassbremse * :)

Er las sich meinen Fragebogen durch, den ein paar Wochen zuvor ausgefüllt zurück geschickt habe. Man könnte mich auch Spezialist für Überrumpelungstaktik nennen, so bin ich gleich mit der Tür ins Haus gefallen.
„Ich möchte, nein ich will in den Sportgeräteraum!“
Und *zack * da war es wieder, das Überraschte Gesicht was ich schon von einigen anderen Ärzten kannte, wenn ich ihnen eröffnete, das ich wieder zurück in den Kraftsport will.
Dabei heißt es doch von überall wenn sie Krebs haben dann machen sie Sport oder machen sie ihre wieder alte Sportart.
Das meine Wenigkeit nicht unbedingt Interesse hat an 08/15 Sport dafür kann ich ja nichts. Jeder der walken will soll es bitte auch tun, nur ich eben nicht aber dazu komme ich noch.
Der nächste Punkt, warum der Arzt und ich nicht Best Friends wurden sollte auch ganz schnell folgen.
„Oh sie haben ein Lymphödem DANN sollten sie davon ABSEHEN, den Arm zu belasten. Zu ihrem Glück ist es ja links.“
*BäääM *
Was für qualitativ hochwertige Aussagen. Gleich zwei an der Zahl. Mein Gesicht dazu könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Pure Freude sieht anders aus. Einfach mal ausgehen das alle Brustkrebspatienten Rechtshänder sind. *Ich hasse Schubladendenken *
Ich fragte ihn ganz freundlich, wirklich ganz freundlich, wie er sich das vorstelle, LINKS ist mein Arbeitsarm und ich gerne ne Linkspatsche bin auch wenn mein Händchen und ich uns noch nicht so ganz einig sind das es gefälligst das zu tun hat was ich will. Ferner meinte ich zu ihm das mein Arm nach der Op mehr als doppelt so dick war und das was übrig geblieben ist nur noch ein Miniödem ist und ich es schon im eigenen Interesse immer im Auge habe und das wenn es so bleibt mich nicht weiter stört. Aber erst mal steht im Vordergrund dass der Arm wieder beweglicher wird.
Das ich selbst allerdings auch schon mit einem Armstrumpf liebäugelte bzw. Lymphdrainage in Betracht zog, wenn ich wieder Sport beginne, behielt ich für mich.
Manchmal frage ich mich ob Ärzte meinen alle Patienten seien doof, das es unter Umständen
auch ein paar gibt die mitdenken lassen sie komplett hinten über fallen.
Wie ich dieses Schubladen denken hasse :/
Das Dr. P. sich damit bei mir in die Nesseln gesetzt hat hat er dann auch mitbekommen. Aber es wurde noch besser.

Ich bin eine Fee, wünsch dir was

Kein Witz. Damit fing er wirklich an.
Ein dümmeres Gesicht konnte ich nicht machen und ich dachte 'Ich sitze hier und lebe, also was soll ich mir wünschen?!'
Er fing an..bla.. dass die Hand und der Arm wieder beweglicher werden..blabla
Ich dachte nur 'Alter was soll der scheiß, das alles habe ich doch vorhin von selbst erzählt, was soll der Blümchenkack?!'
Ich kann mit so nem Gedöns wenig anfangen aber ich nickte Wohlwollend, wollte ihm sein Erfolgserlebnis lassen.
Die nächste Frage: „ Wie geht’s ihrer Psyche?“ Da konnte ich mir das lachen nicht mehr verkneifen. Psyche abgehakt der geht’s  gut, da waren wir mal einer Meinung. Ich machte mir eher Sorgen um seine, ich meine bei Feen und wünschen, naja vielleicht hat ja alles einen tiefen Psychologischen Hintergrund.

Da alle Patienten ein schlaues Buch bekommen haben, wo alles wichtige rein gekritzelt wird von Ärzten, Therapeuten und zur eigenen Kontrolle.
So kritzelte und kreuzte Dr. P munter in mein Heftchen.
Beintraining, Bauch, bissle rücken *naja ein Anfang *
Lymphdrainage 2 mal zur Probe, da der Arzt sich selbst davon überzeugt und nachgemessen hat. Die Differenz betrug gerade mal etwas mehr als 1cm.
Schwimmen: erst mal ein fettes nö vom Doc, weil noch zu viel Kruste von der Bestrahlung hatte, doof habe ich aber eingesehen.
Ergotherapie: schnödes Radfahren. Aber ok.
Krankengymnastik: Logisch, da wären wir wieder bei der Beweglichkeit des Armes.
Jetzt sollte es noch mal kniffelig werden.
Vorsichtig fragte der doc mich, lange ich es an der frischen Luft aushalte ohne müde zu werden und wann ich das letzte mal spazieren war.
„Erst mal brauch ich draußen nichts auszuhalten ich bin gerne draußen. 3 Stunden und länger, jetzt im Herbst zum Pilze sammeln fast täglich. Außerdem laufe ich hier im Haus immer Treppen bis in den 5 Stock.“
Therapie: mindestens eine Stunde an der frischen Luft. Fand ich klasse und schielte schon wieder an ihm vorbei in den Wald.
Dann fing er an mit Walken. Ich so: „Mach ich nicht, wenn dann geh ich joggen.“ Er so:“ Sie können es doch mal probieren in der Gruppe.“
Ich so: „NEIN, ich mag dieses Gruppensportzeugs nicht so. Sport mache ich für mich.“
Wie siehts mit Entspannung aus? Ja kann ich mal mitmachen.
Wir haben eine Sportgruppe für Brustoperierte Frauen, fing er vorsichtig an. Jup mach ich mit. Aber einfach nur um zu wissen wer denn in der Klinik auch Brustkrebs hat bzw. ob es auch jemand so Sportbekloppten gibt wie mich.
Da haben die Augen des Docs angefangen zu leuchten, glücklich gemacht. *scheee *
„Und machen sie nur so viel mit dem Arm wie er es zulässt und seien sie nicht enttäuscht wenn andere Patientinnen weiter sind..blabla. Da musste ich leider wieder einbringen das ich lange genug Kraftsport gemacht habe um zu wissen wie weit ich gehen kann. Was nicht geht, geht erst mal nicht. Punkt
einmal habe ich dann noch die Augen des Arztes leuchten sehen und zwar als er fragte ob ich nicht an der Gesprächsgruppe Teilnehmen möchte, was ich ebenfalls mit einem Ja beantwortete.
Abhören und Blutdruck messen
Untersuchung bestanden, ich durfte bleiben. :)
Genervt war ich trotzdem. Aber Vorteil an der Sache ich musste mir die Begrüßung nicht anhören. Da meine „Untersuchung“ so lange gedauert hat. :)

Zum Abendessen hatte ich dann meine Pläne für die nächsten 14Tage in meinem Briefkasten.
„Juhu“ oder doch nur ein „Oh“ ich war mir nicht sicher.

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Blutabnahme und wiegen Teil 1

Noch mal jede Menge Freizeit

15. Oktober 2014

Was für ein Glück habe ich mir an meinem Ankunftstag eine Thermoskanne ausgeliehen und so Auflöskaffee von daheim mitgenommen.
Denn sonst wäre meine Laune gleich zum davon rennen gewesen, als es hieß um 7:05 Uhr zur Blutabnahme, wiegen 59,4 kg ( boah bin ich schwer* ironieoff*) und zum Abstrich (zwecks mrsa, also der Ausschluss)
Arztuntersuchung hatte ich ja erst um 14 Uhr, so hatte ich nach dem Fruehstueck jede Menge Zeit und entschied mich ne Runde durch den Ort zu drehen. Fußweg von der Klinik nicht ganz 10 Minuten. Und sooden ist Vormittags wie ausgestorben. :)
Alte Häuser mit Fachwerk sind ja so absolut meins und ich konnte mich gar nicht satt sehen und in Sooden wie auch in Allendorf gibt es mehr als genug davon, so glotzte ich eine ganze weile  selig die Häuser an. Bis mir mal einfiel meine DSLR aus meinem Rucksack zu fummeln.
Als ich so am fummeln war bemerkte ich das sich von hinten jemand näherte (nein nicht was ihr denkt :))
Ein mir vom Vortag sympathischer „junger“ Mann.
„Na auch unterwegs“ fragte er und da ich mich nicht gleich mit einem dummen Spruch unbeliebt machen wollte antowrtete ich „Joa hab ja erst um 14 Uhr meine Untersuchung, also noch jede Menge Zeit zum
gucken und Fotos machen.“
wie sich herausstellte war er auf den weg zu Kik, Socken wollte er. Das nur so am Rande erwähnt.
Wow hier gibt es Einkaufsmöglichkeiten, ach ja das Obi Schild hab ich ja schon gesehen :) manchmal bin aber auch ein kleines Vergesserli :)
Da ich ja nichts weiter zu tun hatte begleitete ich ihn. Tja, nur so wie es meine Art ist wenn ich meine Kamera in der Hand habe, bleibe ich auch einfach mal stehen, so ohne Vorwarnung.
Er nahm das ganze mit einem schmunzeln hin. Was sollte er auch machen jetzt hatte er mich an der Backe. :)
Irgendwie passte es ziemlich gut, er erzählte und ich brauchte erst mal nicht so viel von mir preisgeben. Zungengrundkrebs und eine seeehr merkwürdige Frau, mehr möchte ich nicht dazu schreiben. Ach so doch, Dirk heißt er.
Wie sich rausstellte spielte er Tischtennis und wie es der Zufall wollte auch noch an diesem Abend.
*uuoooah * ihr könnt euch nicht vorstellen was mein kleines Sportlerherz für einen Satz gemacht hat.
Ich klärte ihn kurz über mein Händchen auf und das er durch meine Bewegungseingeschränktheit nicht so viel erwarten dürfe, was ihm egal war, da er selbst schon eine ganze Weile nicht mehr  gespielt hat. *zack * beste antwort und mein abend war gerettet.

Aber es sollte ja noch die Untersuchung kommen.