Rippenresektion oder schlimmste Tag in meinem Leben (7)

What a fucking day


Anders kann ich diesen Tag nicht beschreiben.

Wir haben den 28. März 2014

Ich also wieder guter dinge auf dem Weg in unser Krankenhaus. Mein Strickzeug immer dabei, falls es mal wieder länger dauert.
Ins Sprechzimmer von meinem Erklärbärarzt. Er begrüßte mich eigentlich fast wie immer, genau nur fast.
Er fing an ja das „Ich habe eine gute und schlechte Nachricht“ weiter „wir“ ja unglaublich glück hatten mit dem Krebs das es aufgrund der Dauer die ich das Ding ja mit mir rum trug nur so ein Hormonkrebs sei und das er auf die lange Zeit gesehen ein echt lahmer Brustkrebs war.

"Wir" haben einen lahmen Brustkrebs

'Ich hab nen lahmen Brustkrebs' und entspannte mich einwenig. Nur mein Arzt der mir gegenüber sass nicht.
Er erklärte mir in einer Seelenruhe das ich mehr wie nur einmal durchs Tumorboard gelaufen bin, weil er wie auch seine Kollegen so ein, ich nenn es mal Ausmass, noch nicht zu Gesicht bekommen haben.
Jetzt senkte ich etwas verlegen den Kopf. „Nein das ist ok, jetzt wissen wir das sie einen langsam wachsenden Krebs haben.“
„aha“ antwortete ich. Nach mehrmaliger Absprache mit den Onkologen und seinen Kollegen, macht eine Chemo keinen Sinn.
Na das sind doch mal gute Neuigkeiten und da konnte ich mir ein dickes grinsen nicht verkneifen.
„Aber sie kommen die nächste Jahre in die Wechseljahre, künstlich in vorm von Tabletten und einer Depotspritze“
In meinem Kopf ging es hin und her und ich glaube der Arzt sah das.#
Aber die nächsten Jahre, keine Periode * geilo* Stimmungsschwankungen hab ich eh, ich bin ne Frau * passt* Hitzewallungen *ok die nehm ich hin*

„Kommen wir zu den schlechten Nachrichten“

Er wiederholte noch mal den Text den er zubeginn schon von sich gegeben hat.. blablabla.. blauem auge davon gekommen... aber wir müssen ihnen rippenstücke entfernen.
FUCK WAAAAAAS????
Ich dachte in dem Moment wird mir der boden unter den Füssen weggerissen. Mit weit aufgerissenen Augen schaute ich meinen Arzt an.
„sie wollen mich verstümmeln, ich hab dann da ein Loch, ich bin Sportlerin das geht nicht“ kam es nur leise aus meinem Mund raus. Das mein Arzt darauf keine Antwort geben konnte war klar.

Er erklärte wieder..So wie es auf den MRT Bildern aussehe wäre der Krebs um Teile der rippen gewachsen und bevor er ins Bauchfell wachse müssten man retten was zu retten ist.

In meinem kopf hämmerte es

Mein Mantra:

200kg im Kreuzheben das ist mir mein Körper noch schuldig. Bei knapp 180kg musste ich vor ein paar Jahren in die Pause gehen.

ICH KANN ALSO GAR NICHT AUFGEBEN. ICH HAB EIN ZIEL!!! Die Pause ist nur ein wenig länger.

200kg die ich nach oben bewegen werde!

Ja was ist denn jetzt mit meinem Ziel. Was, wie geht’s denn jetzt weiter?


Mir liefen die Tränen, ich sass da und war immer noch fassungslos über das was der Arzt kurz zuvor zu mir gesagt hat...
(und aktuell sitze ich auch grade hier und weine, das war ein schlimmer Tag auch wenn man bedenkt das es fast ein Jahr her ist)

Mein Arzt kam ein Stück näher gerollt und fragte „gehts?“ Ich sortierte mich neu und meinte tonlos „was habe ich denn für eine Wahl“.
Ich fragte mich wie ich mir das Vorstellen müsste. Und erklärte irgendwas von einer Rippenplastik das die darunter liegenden Organe geschützt sind.
Ich weinte immer noch.
Auf meine Frage wieviel weggeschnitten werden müsse, bekam ich die Antwort Länge ca. 6-10cm über 2-3 Rippen (ihr könnt es auch mal im Brustbereich anhalten, dann versteht ihr vielleicht,warum ich so panisch war,es ist nicht gerade ein kleines Stück).
Ich hörte gar nicht mehr richtig zu, so schockiert war ich immer noch. Wir machten noch einen Termin beim Chefarzt zum Vorgespräch (ich sagte doch ich wurde zur Chefsache) und wir verabschiedeten uns diesmal wortlos.

Ich setzte mich in den Krankenhausgarten und musste erst mal durchatmen und heulen.
Hat mich mein Glück jetzt verlassen??? War es das? Ist das noch ein Leben?

Ja ist es! Denn ich will Leben!

Das ich das ganze aber noch ganz stark anzweifeln und in frage Stellen werde, darüber erzähle ich euch ein anderes mal.

Nicht das ihr mich falsch versteht der Arzt hat sich wirklich alle Mühe gegeben. Aber es gibt nun mal Sachen die kann man nicht in schöne Worte packen.

Mein zu Tränen aufgelöstes Kind

Könnt ihr euch erinnern?

Letzte Woche schrieb ich doch von meiner Tochter und das ich so Stolz auf sie war. Nein ich bin es ehrlich gesagt immer noch.
Aber jetzt geht es um etwas anderes.


Heute früh als ich meinen Sport Post fertig geschrieben habe war ich guter Dinge und habe mein kleines Büchlein vor mir liegen gehabt und die ersten Sätze für einen neuen Artikel geschrieben. Da kam das verlangen nach einem Kaffee also los in die Küche. Ein kurzer blick aufs Handy (mein Handy liegt selten griffbereit und ich habe nur ganz selten Ton an) ob ein Leuchten zu sehen ist. Ok nein.

Mit dem Kaffee zurük in Richtung Wohnzimmer und da leuchtets grün.
Hm anruf. Mein Kind. Während der Arbeitszeit sehr Merkwürdig.
Über whatsapp fotos. Also erst zurückrufen oder erst Bilder gucken, ich entschied mich für letzteres.
Erster Gedanke 'schicker Nagellack'
Zweiter 'MOMENT da sieht irgendwas nicht so ganz richtig aus!'

anklingeln lassen. Meine Tochter hat sofort zurück gerufen. Das erste was sie fragte „Mama hast du Freitag früh Zeit?“
Ich überlegte kurz. Und fragte „wieso?“ Sie anwortete nur. „Ich hab einen Termin in der Chirurgie“ und fing bitterlich an zu weinen. Sie erklärte mir wie das ganze passiert ist und weinte immer noch.
Am End vom Lied mehrfacher Bruch. Ich versuchte sie beruhigen, da sie jetzt schon Panik vor der OP hat.
„Schau mal in den letzten 15 Jahren lag ich 5 mal unterm Messer so schlimm ist es nicht und wenn ich das hinbekomme, dann du auch.“
Sie entgegnete „Ja duuuuuuu bist das ja schon fast gewohnt“ (kennt ihr das wenn Kinder die Wörter so auseinanderziehen? :)
Aber sie war aufgemuntert das war das einzige was für mich gezählt hat.
Ich hab mein Kind 19 Jahre Unfallfrei durchs Leben bekommen und dann bleibt sie so blöde an einem Straßenschild hängen.
an schreiben war so natürlich nicht mehr zu denken.
Also habe ich das Wetter genutzt und bin Spazieren gegangen.

Ein Abstecher auf den Friedhof


Ja ich hab dann mal bei meiner Bekannten am Baum vorbei geschaut und das Blumenherz von uns Rosa Kriegerinnen schaut doch noch relativ gut aus aber auch die anderen Blumen waren noch nicht arg verblüht.
Tränenlos ging es nicht.
Aber ich wollte noch weiter denn auf diesem Friedhof ist eine Kindergartenfreundin beerdigt. Geboren 1974 und gestorben 1980 und an was, Leukämie.
Bei ihr habe ich am längsten gesessen. Aber sie hat ihr Grab auch direkt bei einer Bank also sie läd quasi dazu ein etwas länger zu verweilen. Ich erinnerte mich an den Riesenkarton den ihre Eltern für uns als Spielhaus zusammen geschnitten haben, mit Tür und Fenstern. An den riesen Garten und daran das sie mehrmals gekämpft und doch den Kampf gegen den Krebs viel zu jung verloren hat.
Aber Heim wollte ich noch nicht so schlenderte ich eine ganze Weile über unseren alten Friedhof bis es dann doch langsam dunkel wurde und ich dann doch den Heimweg antritt. Aber auch dieser ganz gemütlich ohne eile.

Aber jetzt ist der Kopf wieder frei.

Meine wöchentliche Sportchallenge

Woche 4 und ihr so?


Meine Güte wie Zeit vergeht.
Da habe ich noch letzte Woche gedacht 'man das werden dieses mal harte Trainingseinheiten' .
Aber so schlimm wurde es gar nicht. Ich hatte zwar 3 Tage starken Muskelkater in den Waden aber dann war auch gut.

Nicht das ihr glaubt dass das nicht anstrengend ist. Doch doch. Probeirt es einfach mal aus. 'Kost ja nix'. :)
Ich glaube allerdings fast das diese Woche meine Lieblingswoche wird.
Powersquats sprich Kniebeugen. Da ich mit allerdings mit der tiefe nicht die in dem Video gezeigt werden nicht so ganz einverstanden bin (da kommt die olle Kraftdreikämpferin wieder in mir raus) geh ich einfach noch bissl tiefer und bleibe relativ gerade.
Hier unten das dazu gehörige Video. Ich will es euch ja nicht vorenthalten ;)

Laufschuhe und Laufbekleidung
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Und nach den 10 Wochen?


Beginne ich die Serie einfach neu allerdings dann jeden Tag mit einem anderen Video. Momentan mach ich eine Woche ein Video. Aber es gibt ja immer noch Steigerung.

Ausserdem bringt es mir persönlich mehr wie diese entschuldigt bitte * fucking* Krankengymnastik. Woran ich das merke? Ganz einfach ich komme jetzt schon tiefer wenn ich Liegestütze mache.
Immer nur ein ein bisschen. Aber es wird.


Wo ist denn nur meine Motivation

Gut gelaunt und mit neuer Energie wollte ich in die neue Woche starten. Soweit die Theorie.
Das einzige was ich heute gut gelaunt gemacht habe, war mein Sportprogramm und dann war sie um acht Uhr nach dem duschen irgendwie nimmer da. So mit dem Wasser quasi runter gespült.
So bin ich heute auf ein paar anderen Blogs rum geschlendert.
Das war es auch schon.

Ist ja nicht so das ich nichts zum schreiben hätte. Aber wenn einem die passenden Wörter dazu fehlen macht das auch keinen Sinn.
Ich hab sogar verschiedene Artikel begonnen aber nö, wollt heute nicht ganz so wuppen.

Auf das es morgen besser ist

Wegen geschlossener Radiologie in ein anderes Krankenhaus

Terminschverschiebung also MRT in Darmstadt


Vor ein paar Tagen hab ich euch ja das MRT Bild gezeigt und geschrieben das ich dafür extra nach Darmstadt musste.
Es fing genaugenommen schon bei uns im GPR an. Meine Wenigkeit war pünktlich da nur der Taxifahrer der mich nach Darmstadt fahren sollte kam etwas zu spät (wie ich sowas leiden kann). Ein etwas älteres Modell, also der Fahrer nicht das Auto. Er machte auf mich einen leicht nervösen bis hektischen Eindruck. Und so fuhr er auch. o.O
so wurde die Fahrt für mich alles andere als entspannt, ständig hatte ich das Gefühl das ich mit bremsen musste/wollte und das als nicht  Autofahrerin. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich das er leicht Tics hatte.
Ich bin eigentlich gerne Beifahrerin, da kann man so schön in der Gegend rum schauen. Was ich bei dieser Fahrt nicht machte sondern konzentrierte mich stur auf den Verkehr. Auch wollte ich mich nicht Unterhalten und anwortete meist nur mit einem kurzem „hm, ja,nein“ oder „wirklich“.
In meinem Kopf hab ich dafür eine tolle Unterhaltung geführt.
'Junge guck auf die Strasse' oder 'ich sterbe nicht am Krebs sondern auf der autobahn'.
Welch ironie. :)
Ich war froh als ich endlicxh aussteigen konnte und dachte mit grauen an die rückfahrt.

Anderes Krankenhaus, erst mal orientieren


Die Anmeldung für die Radiologie war schnell gefunden, wie schon so oft Zettel ausfüllen. Nein ich bin noch nicht schwanger und nein ich hab immer noch keine Allergie. Wie immer eben.
Noch mal wandern, Radiologie (ein hoch auf gut ausgeschilderte Wege).
Ausziehen hinlegen es kann los gehen.
Blöde nur wenn man nicht lange in einer Position liegen kann, das waren verdammt lange 30 minuten. Aber auch die bekam ich rum mit ein paar Tränen aber durch gehalten * tschakka*

Ich werde zur Chefsache


Die anderen Patienten bekamen recht schnell ihre Cds und waren somit fertig. Keine langen Wartezeiten, sehr schön, ich freute mich schon.
Bis ich hinter mir meinen Namen hörte.
Verdammt.
Ich sortierte mich noch und als ich dann hochsah um den Arzt zu begrüßen schaute ich dem bestaussehendstem Professor in die Augen.
Erster Gedanke: 'NEIN'
Zweiter Gedanke: Verdammt und ich sitz jetzt vor dir mit meinem Brustkrebs.
* aaaah*
Er stellte sich vor, erklärte und erzählte.  Er erklärte dann auch das an zwei Rippen etwas ist. Ok. Verwundert war ich nicht wirklich.
Ich bekam alles eher so am Rande mit. Denn meine Gedanken verselbstständigten sich.
Von 'man bist du ein lecker Kerlchen bis wieso haben wir so einen Arzt nicht bei uns im Krankenhaus' war alles dabei.
Traum, Realität, Film, Realität, Roman,
„Darf ich mal sehen?“ und * ZACK* war ich wieder in der Realität. Also ausziehen was zu dem Zeitpunkt sehr umständlich aussah und war.
Auf die Frage „kann ich ihnen helfen?“ Erwiderte ich schnell nein geht schon. Zum Glück war mein Gesicht grad im Shirt verwurschtelt da sah er meine weit aufgerissenen Augen nicht. * uff*
Nachdem das Kino beendet war und ich mich wieder anziehen konnte druckte er mir den Brief aus drückte mir die CD in die Hand verabschiedete mich und wünschte mir alles gute.
Auf dem Weg nach oben konnte ich mir ein grinsen nicht so ganz verkneifen.
Welch Ironie.
Ich holte mir einen Cappuccino und setzte mich noch mal in den Krankenhausgarten, da an dem Tag die Sonne schien ließ alles noch mal Revue passieren, las den Arztbrief durch viel neues hat nicht drin gestanden da auch der Professor alles ganz genau erklärt hat ohne großes Fachchinesich.

Ach ja und ich musste ja auch wieder heim, ich rief also bei dem Taxidienst an der mich nach Darmstadt gefahren hat und dachte mit grauen an die Rückfahrt umso überraschter war ich dass der Chef persönlich kam, so war die Rückfahrt ziemlich entspannt und auch erheiternd.


Über den Tag kann ich nach wie vor nur grinsen. Wenn ich ihn nicht selbst erlebt hätte. Würde ich es nicht mal selbst glauben.